Die Disruption der Schulung

Digitale Disruption ist in mehreren Branchen seit Jahren Realität. Aber jetzt hat sie auch in die Büros Einzug gehalten, in das Leben der Angestellten. Und auch in das von Beratern, Ausbildern und Coaches – ob es ihnen gefällt oder nicht.

LMS-Plattformen, Erstellung und Verwaltung von Inhalten, immer fortschrittlichere Kommunikationstechnologien… Diese und viele andere Elemente (von denen Corona lediglich ein Beschleuniger war) schreiben die Spielregeln auch im Bereich der betrieblichen Weiterbildung völlig neu.

Ist dies das Ende dieser Berufe? Nein, oder zumindest nicht zwangsläufig. Es ist jedoch an der Zeit, einen grundlegenden Schritt zu tun: ein kultureller Wandel, der so tiefgreifend ist, dass er alles andere als selbstverständlich, geschweige denn augenblicklich umsetzbar ist.

Digitale Schulung ist kein Unterricht im Klassenzimmer, der online durchgeführt wird, sondern etwas völlig anderes in Bezug auf Design, Methodik und Instrumente.

Auch beim Internet dauerte es viele Jahre bis zum Web 2.0, d. h. bis man das tatsächliche und das spezifische Potenzial dieser neuen Umgebung verstand. Bis Anfang der 2000er-Jahre war das Netz nicht mehr als eine Galerie stiller und unbeweglicher Schaukästen, eine zweidimensionale Abbildung der bereits bekannten Realität.

Science-Fiction-Romane sind ein hervorragendes Instrument, um zu erkennen, was ein Paradigmenwechsel in Richtung einer unbekannten Zukunft bedeutet.

Nehmen wir zum Beispiel Le meraviglie del 2000 (Die Wunder des Jahres 2000) von Emilio Salgari (1907): eine hochautomatisierte Welt, die Apparate dank der Elektrizität mit Kabeln bewegt, die buchstäblich Science-Fiction-Länge haben. Salgari hatte sich die Möglichkeit einer drahtlosen Verbindung nicht vorstellen können.

Träumen Androiden von elektrischen Schafen? (1968 – diente als Vorlage für den Film Blade Runner) zeigt stattdessen eine Gesellschaft, in der die Menschen mit Robotern leben, die sich so weit entwickelt haben, dass sie von Menschen nicht mehr zu unterscheiden sind, aber trotzdem in (fliegenden) Autos in Bürogebäuden arbeiten, in denen es von Menschen wimmelt. Von Smart Working keine Spur.

Dies sind nur zwei Beispiele dafür, wie relativ leicht es ist, sich die schrittweise Entwicklung eines einzelnen Objekts oder eines einzelnen Phänomens vorzustellen, von dem wir bereits eine gewisse Kenntnis haben.

Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn man die Grundmuster verlassen soll, die die verborgenen Pfeiler unseres täglichen Lebens und Denkens bilden. Ein Paradigmenwechsel also.

Das ist es, was jeder, der im Bereich der Personalentwicklung tätig ist – sei es in einem Unternehmen als Nutzer oder als Anbieter von Schulungen und Coaching –, heute tun muss: die übliche Einstellung ändern oder besser gesagt, in eine Einstellung umwandeln, die noch nicht vollständig vorhanden ist, von der wir aber bereits die Ansatzpunkte erkennen können, auf denen eine authentische und wirklich effektive digitale Schulung aufgebaut werden kann.

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